Astrologie aus der Mitte

 

Jahrestrends 2010

Petra Dörfert


Laut der chaldäischen Reihe ist das Jahr 2010 (ab 21. März) ein Sonne-Jahr. In der psychologischen Astrologie spielt die chaldäische Reihe keine Rolle mehr, weshalb heutzutage keiner so recht weiß, was das bedeuten soll - sicherlich etwas Gutes, wahrscheinlich mehr Freiheit und Individualität (hoffentlich nicht Egoismus!) für alle...

Das große Himmelsereignis des Jahres 2010 stellt das „Große Kreuz“ dar, über das in der „Astro-Szene“ sehr viel geschrieben und prophezeit wird. Allerdings handelt es sich gar nicht wirklich um ein „Großes Kreuz“ (auch wenn das sicherlich dramatischer klingt), sondern in erster Linie um ein T-Quadrat, bestehend aus der Saturn-Uranus-Opposition, die bereits seit Herbst 2008 am Himmel herumgeistert, und Pluto, der dazu nun ins Quadrat tritt. Dass gelegentlich einige Schnellläufer, wie z.B. Venus oder Merkur, bei ihrer Passage durch das Tierkreiszeichen Krebs dieses T-Quadrat zu einem „Großen Kreuz“ komplettieren, erscheint mir dabei weniger wesentlich, hat es das T-Quadrat allein doch schon einigermaßen in sich: Die Saturn-Uranus-Opposition rüttelt an den Grundfesten von allem, was uns lieb, wert und heilig ist, ermöglicht aber auch, endlich da einen Kahlschlag zu machen, wo wir längst die Notwendigkeit dazu spüren. Pluto im Quadrat zu dieser Opposition radikalisiert nun diese Tendenzen noch weiter, so dass 2010 tatsächlich einige Knalleffekte (weniger jedoch Weltuntergänge!) zu befürchten sind. Präsident Obama, der über die von Uranus verursachte „Change-Welle“ an die Macht gekommen ist, wird sich von Pluto gewaltig auf den Zahn fühlen lassen müssen, zudem fallen jedem von uns eine Menge Brandherde auf dieser Welt ein, in denen sich 2008/09 zwar vielleicht etwas bewegt hat, aber nicht unbedingt in die richtige Richtung: Afghanistan, Palästina, Guantanamo, Terrordrohungen – und auch der Finanzmarkt steht nach wie vor auf unsicheren Beinen. Man könnte insofern sagen, dass viele Lunten auf einmal brennen, jedoch kaum zu erahnen ist, welche wann wo tatsächlich zur Explosion kommt (auch die Astrologie macht uns da nicht schlauer, weshalb ich mich konkreterer Spekulationen enthalte).
Das Pluto-Quadrat zu Saturn ist bereits ab Ende Januar aktuell (exakt am 31. Jan.), wird Anfang Februar jedoch noch gnädig von Jupiter abgefedert. Es bleibt dann mehr oder weniger stehen (und befeuert schon einmal die globale Spannung), bis sich ab Ende März endgültig Uranus hinzugesellt. Das T-Quadrat aus Saturn, Uranus und Pluto bleibt dann unglaubliche 5 Monate lang bestehen, bis es sich Ende August langsam auflöst (Saturn-Uranus exakt am 26. April und 26. Juli, Saturn-Pluto noch einmal exakt am 21. Aug.) und das Restjahr vergleichsweise ruhig zu Ende geht.

Wer in seinem Radix vom T-Quadrat betroffen ist, könnte sich mit erdrutschartigen Veränderungen (heiß ersehnten und heftig befürchteten) konfrontiert sehen. Da gibt es dann allerdings kein Zurück, denn offenbar handelt es sich um notwendige Ausbrüche aus zementierten und verkrusteten Strukturen.

Ein weiteres interessantes Thema der Jahre 2010/11 ist der Übergang von Uranus in den Widder. Zuletzt hatten wir diese Konstellation in den Jahren 1927–1935, einer Zeit, in der nach den handlungsschwachen, eher künstlerisch-visionär orientierten „Goldenen Zwanziger Jahren“ (Uranus in Fische), plötzlich wieder mit den Säbeln gerasselt und kräftig aufgerüstet wurde. Der Faschismus etablierte sich europaweit als faszinierend-neue, jugendorientierte (Uranus) Kultur der Stärke, der Männlichkeit und des Krieges (Widder). Weite Bevölkerungsteile im In- und Ausland ergaben sich naiv (Widder) dem Begeisterungstaumel, nichtahnend(wollend), dass das beeindruckende Spektakel nur wenige Jahre später in blutigen und ganz unwidderhaften Ernst abgleiten würde. Angesichts von Uranus in Widder mag es allerdings glaubhaft erscheinen, dass auch intelligente Leute sich erst einmal von der „Woge der nationalen Erhebung“ mitreißen ließen und schlicht blind waren für den Abgrund, der sich da vor ihren Füßen auftat.

Was uns Heutigen das sagen will: Beim diesmaligen Durchgang von Uranus durch Widder (2010 – 2019) wird die Welt wahrscheinlich noch lauter, schneller und bunter werden (auch wenn das kaum glaublich erscheint), wobei das leichtfertige Spielen mit den Muskeln (international und privat) wieder in Mode kommen könnte. Seien wir also auf der Hut vor unreflektiertem Hurra-Geschrei oder kriegerischen Hauruck-Aktionen…! Andererseits: Uranus in Widder dürfte ein ums andere Mal den zu Starrheiten neigenden Steinbock-Pluto herausfordern, eine Auflockerung, die auch nicht schaden kann…

Einen Vorgeschmack auf Uranus in Widder erhalten wir in diesem Jahr vom 28. Mai bis zum 14. August. Im April 2011 wird Uranus dann endgültig in den Widder wechseln.

Abschließend noch eine Übersicht über die Rückläufigkeitsphasen des Merkur, in denen man mit Zukunftsplänen, Käufen/Verkäufen sowie Vertragsabschlüssen vorsichtig sein sollte, da sich die Dinge unerwartet ändern können und/oder die Faktenlage noch nicht ausreichend geklärt ist:
1. – 16. Jan.
19. April – 12. Mai
21. Aug. – 13. Sept.
11. – 30. Dez.

Literaturtipp: Ein Jahreskalender, in dem alle wichtigen Sternenkonstellationen übersichtlich dargestellt sind, ist der "Astrokalender Sternenlichter 2010" von Petra Niehaus, der sich in diesem Jahr dem Themenschwerpunkt "Das 3. Haus" widmet.


© Petra Dörfert 2010