Saturn in Jungfrau
Petra Dörfert
Zeichenwechsel der Langsamläufer markieren gesellschaftliche Wendepunkte und leiten neue Entwicklungstrends ein. Darüber hinaus sind immer diejenigen Menschen individuell betroffen, die ihr persönliches Sternzeichen oder wichtige Planetenkonstellationen in dem entsprechenden Zeichen haben. Saturn befand sich von 2005 bis 2007 im Löwen und steht von 2007 bis 2009 in der Jungfrau.
Das Saturn-Prinzip
Was bewirkt nun aber Saturn in einem Sternzeichen? Saturn ist der „große Prüfer“. Das bedeutet, dass er bei dem Durchgang durch ein Sternzeichen dessen besondere Qualitäten überprüft. Er beschneidet dort, wo das betreffende Sternzeichen gerne über die Stränge schlägt und sich Entgleisungen erlaubt. Er fühlt gleichzeitig dort auf den Zahn, wo es gerne schludert und sich um Verantwortungen drückt. Genauso testet er, wie das betreffende Sternzeichen mit dem, was es am besten kann, also mit seinen ureigensten Talenten und Qualitäten, umgegangen ist, ob es sich dort bewährt hat, gewachsen ist und Autorität erworben hat. Ist dies der Fall, dann wartet Saturn sogar mit angemessenen Belohnungen auf. Ist dies nicht der Fall, dann fließen schon auch mal die Tränen der Frustration….
Saturn in Löwe (Juli 2005 – September 2007)
Der Planet Saturn und das Sternzeichen Löwe vertragen sich nicht besonders gut, weshalb die klassische Astrologie „Saturn in Löwe“ generell als ungünstige Konstellation betrachtet. Das Löwe-Prinzip orientiert sich an der Sonne und möchte strahlen und expandieren, während Saturn eher kalt und einengend daherkommt. Ganz zwangsläufig ergibt dies eine disharmonische Kombination, bei der das eine das andere blockiert. Der Löwe möchte seine Individualität entfalten und kreist dabei vielfach um sich selbst. Im besten Falle wirkt er auf andere mitreißend und inspirierend, im ungünstigen Falle hetzt er von einem Egotrip zum anderen und kann dennoch nie seine Geltungssucht völlig befriedigen. Saturn hat daher viele Löwe-Geborenen in den letzten zwei Jahren kräftig zusammengestutzt: Ehen sind zerbrochen, weil der Partner des Löwen plötzlich keine Lust mehr hatte, den ewigen Zuschauer und Applausgeber zu machen, und auf eigene Bedürfnisse zu pochen begann. Karrierehoffnungen wurden enttäuscht, wenn Anspruch und Selbstbild größer waren als die tatsächlich vorhandenen Fähigkeiten. Gesundheitlicher Leichtsinn, der jahrelang folgenlos geblieben war, hatte plötzlich Konsequenzen. Viele Löwen mussten ihr Ego auf Normalmaß herunterschrauben – manchmal durchaus zur Schadenfreude ihrer Umwelt. Auch aus der Promi-Ecke hörte man eher laue Töne, so etwa von Harald Schmidt (*18.08.1957), der sich offenbar momentan selbst nicht mehr hören kann und eigenen Aussagen zufolge keine Lust mehr auf Late-Nights-Shows hat. Typischer kann kein Löwe reagieren, bei dem gerade Saturn über die Sonne geht…!
Auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene waren die letzten zwei Jahre mehr eine Zeit des „kleinen Brötchenbackens“. Im November 2005 musste ein sehr großspuriger Bundeskanzler, der gar nicht glauben konnte, dass er abgewählt worden war, einer bescheiden wirkenden, kompetenten Frau Platz machen (womit Saturn in Löwe auch dezent vor Augen führte, was wahre Größe ist und was nicht), und in der Folge hagelte es auf den Vorstandsetagen nur so von Skandalen, im Zuge derer so manches „große Tier“ seinen Hut nehmen musste. Auch größenwahnsinnige Fusionen und internationale Megakonzerne kamen auffällig ins Schlingern (hier machte sich allerdings parallel auch Pluto in Schütze bemerkbar), und sogar der mächtigste Staat der Welt musste zur Kenntnis nehmen, dass die Staatengemeinschaft nicht länger gewillt ist, nationale Egotrips kritiklos hinzunehmen.
Saturn in Jungfrau (September 2007 – Juli 2010)
Als Saturn 2005 in den Löwen wechselte, veranstalteten viele Astrologen ein großes Geschrei – so als sei der Löwe ganz besonders zu bedauern, wenn das „Unheil Saturn“ über ihn hereinbricht. Jetzt, wo Saturn in die Jungfrau eintritt, scheint das in der Astro-Szene hingegen niemanden sonderlich zu interessieren. Werden der ohnehin „notorisch fleißigen“ Jungfrau noch ein paar Sorgen mehr auf den Buckel geladen – „was soll’s!“, scheinen da viele zu denken. In der Tat kommt die Jungfrau weitaus besser mit Saturn zurecht als der Löwe. Sowohl Saturn als auch die Jungfrau sind Vertreter des Erdprinzips, beide sind durch Bodenständigkeit, Realismus, Klarheit, allerdings manchmal auch eine gewisse Engstirnigkeit charakterisiert. Im Prinzip sollten die beiden recht gut zusammenarbeiten können. Dennoch wird Saturn auch das Jungfrau-Zeichen gründlich auf seine Schattenseiten hin überprüfen. Eine liegt darin, es mit den Pflichten übergenau zu nehmen. Jungfrauen sind meist recht gut in ihren Spezialbereichen. Genau das macht sie aber oft pingelig und überkorrekt, vor allem Menschen gegenüber, die nicht so viel Routine haben wie sie. Saturn möchte aber nur, dass wir ordentlich sind – lebensfeindliche Übertreibungen sind ihm fremd, weil genau diese ja ein gutes Funktionieren wieder beeinträchtigen können. Es könnte also sein, dass er Jungfrauen vor anspruchsvolle Prüfungen stellt – und genau hinsieht, ob sich diese dabei mit ihrem Maximalanspruch nicht selbst ein Bein stellen. In diesem Fall könnte Saturn also paradoxerweise dazu auffordern, es auch mal ein bisschen lockerer zu sehen und die Pflicht nur zu erfüllen, aber nicht überzuerfüllen. Was Saturn ebenfalls schonungslos entlarvt, ist jegliche Form der Doppelmoral: Jungfrauen haben es leider manchmal an sich, sehr hohe Ansprüche an die Umwelt zu stellen, dabei aber zu übersehen, dass sie auch nicht immer perfekt sind. Auch solche Fehlhaltungen dürften in den nächsten beiden Jahren aufgedeckt werden, so dass sich so manches Mal wieder die Wahrheit des Sprichwortes erweisen könnte, dass „Hochmut vor dem Fall“ kommt. Insgesamt bin ich jedoch recht zuversichtlich, dass die Mehrzahl der Jungfrau-Geborenen eher von Saturn profitieren wird. Denn wer in den letzten Jahren tüchtig gearbeitet hat, und das dürfte auf die meisten von ihnen zutreffen, wird jetzt zur Hochform auflaufen und dadurch die wohlverdienten Früchte ernten.
Und auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene? Erinnern Sie sich an den guten alten Song aus den Achtziger Jahren: „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt“? Damit ist eigentlich alles gesagt – spucken am besten auch Sie in die Hände und steigern Sie in den nächsten zwei Jahren Ihr persönliches Bruttosozialprodukt!
(c) Petra Dörfert 2007